Dienstag, 28. Januar 2014
Die wichtigsten Alben 2013 #20: Tegan and Sara - Heartthrob
"You carry romace in the palm of your hand" - sowas bekommt man ja gerne gesagt, oder? Oder auch: "All i wanna do is, to come a little closer". Achja, diese fast schüchterne Direktheit aufsprudelnder Gefühle, als wäre John Hughes für immer in Carbonit eingeforen worden und seine Filme laufen auf Dauerschleife im Kopf. Und natürlich war John Hughes nicht nur einer der größten Poeten jugendlicher Gefühlswelten, sondern auch unglaublich eighties. Und da sind wir auch schon bei "Heartthrob", dem möglicherweise oder eben auch nicht Durchbruchalbum der ewig glänzenden Zwillingsschwestern Tegan und Sara. Die sind, wir ahnen es, auch nicht mehr die jüngsten, aber wie so oft bei Leuten, die herzgetriebene Musik mache steigt die propagierte Jugendlichkeit in der Musik streng proportional zum Alter ihrer Verfasser, denn so altseelig wie auf den ersten Alben oder gar dem Coming-of-Age-Teenage-Angst-Grown-up-Crisis-Zwitter (entschuldigung für dieses Wort) "The Con" klingt "Heartthrob" schon lange nicht mehr. Hier gibt es Herzschmerz garniert mit Luftballons, Flaschendrehen mit Verlustangst und Schmachtfetzen mit Seilchenspringen. Allein das Video zur Hüpfsingle "Closer" spricht Bände über den Zustand von Tegan and Saras Musik und macht ernst mit der Karaokeparty. Manch einer mochte den Schwestern übel nehmen, dass sie nun nicht nur für den Guetta ihre Lyrics einsingen, sondern selbst auch die Synthie-Kirmes rauf und runter reiten, anstatt die zarten Saiten der Gitarre zu zupfen wie früher noch, aber das ist natürlich ziemlich engstirnig und verweist jeden Künstler in seine Schranken. Und "Heartthrob" ist der wandelnde Beweis dafür, dass das Songwriting der anderen Platten auch vor den neuen Instrementierung nicht eingeknickt ist, ganz im Gegenteil: Diese zwei bis drei Minuten des Pop, den Tegan und Sara immer auf den Punkt bringen konnten, diese kleinen Momente zwischen Glück und Unglück, dieses Zartbittere des Altwerdens und Jungbleibenwollens findet auch seinen weg zwischen den Keyboardflächen und Drumloops da hin, wo es hingehört: Mitten ins Herz. Dass mit "Drove me wild", besagtem "Closer", "Goodbye, Goodbye", "How come you don't want me" oder "Now I'm all messed up" vor allem auch wieder Hits Hits Hits dabei sind, deren Texte so schwer auf der Seele liegen, dass die Leichtigkeit der Musik sie immer wieder auffangen muss, ist ein absoluter Bonus dieser fantastischen Platte. Und genau dieses perfekt ausbalancierte Wechselspiel zwischen Leichtigkeit und Weltschmerz, das die besten Popplatten auszeichnet, ist es, was Tegan und Sara als Künstlerinnen auszeichnet, was "Heartthrob" nahtlos in ihr Werk einreiht und 2013 mit großen Popmomenten adelt. Und dass man bei den letzten Zeilen der Platte, die auch noch "what you are is: lonely" lauten, nicht komplett verzweifelt, sondern mal wieder versuchen will, das Leben und so auf die Reihe zu kriegen, denn es ist doch schön, das bekommen nun wirklich nicht viele hin. Mein Herz haben sie.
Mittwoch, 22. Januar 2014
Die wichtigsten Alben 2013 #21: Casper - Hinterland
Letztens in der "Intro" gelesen, dass deutsche Rapper heute doch ziemlich auf "Backpacker-Pathos" setzen, und da fällt einem natürlich sofort Casper ein, der ja sowieso weniger Geschichtenerzähler als Sloganmaschine ist, wobei er das vielleicht sogar teilweise für dieselbe Sache hält. Und demnach kann man den guten Mann auch nun wirklich nicht mehr "cool" finden (wobei heute ja keiner mehr "cool" sagt, der cool ist). Und wenn man diese ganze Interviewsaison zu "Hinterland" verfolgt hat, die man getrost auch "Promotion" nennen darf, dann war dieser ganze Entstehungsprozess des Albums eine ordentliche Ochsentour gewesen, die schnell nach Selbstmitleid klang - und neues Futter gegen "Emo-Casper" gegeben hat. Und allein dieser Hillbilly-Bart, das Rumreiten auf der Deutschland-Amerika-Schiene seiner Biographie und was ist überhaupt mit der ganzen Realness? Die nervt doch! Der nervt doch! Aber hallo!
Und es stimmt ja auch, dass dieses Image so seine Probleme mit sich bringt und auch nicht jeder jeden Tag so gerne daran erinnert werden will, dass sein Leben und Fühlen zu klein ist für diese Musik. Einerseits. Andererseits kann man Casper niemals zum Vorwurf machen, Rap nicht weit über seine Grenzen hinausführen zu wollen. Und wie konservativ das "Game" und seine "Player" dabei auf ihn reagieren ist noch lächerliche als der noch so pathetische Slogan oder die ja doch zum Rap gehörende Selbstinszenierung als eine Figur mit konkreter Biographie und Weltsicht.
Und so macht "Hinterland" da weiter, wo "XOXO" angefangen hat, nur anders, nur größer, nur leiser und besser. Casper hat ja auch nach eigener Aussage immer versucht, diese DIY-HC-Straight-Edgenesse mit Rap zu kombinieren, die Gitarre und das Schlagzeug und den Bass mit den Lines, den Punches und den Rhymes. Und es klappt, immer wieder. Auch wenn "Im Ascheregen" nach Team Me und Konsorten klingt, wenn das alles doch etwas zu glattgebügelt ist: Es ist immer auch ein Blick über den Tellerrand, wo selbst "Rap" imitierende Stücke wie "Jambalaya" oder "Ariel" unkonventionell klingen. Von der Stimme, die du schon von weitem als eigene erkennst, ganz zu schweigen. Und dafür kann man Casper nicht hoch genug einschätzen: Dass er die Musik, die er macht, die er vor Augen hat und die ihn antreibt keinen Stillstand, keine Konventionen und selten Kompromisse kennt - und dass dabei stimmige Stücke und Alben entstehen, die man weder inhaltlich noch musikalisch mögen müssen, aber trotzdem die wachrütteln, die von Rap, gerade vom deutschen, nicht mehr erwarten als dumme Witze und Sprüche zu Beats so subtil wie die Mimik von Jason Statham. Und jetzt Radio laut und zum Hügel rauf: You know what to do.
Und es stimmt ja auch, dass dieses Image so seine Probleme mit sich bringt und auch nicht jeder jeden Tag so gerne daran erinnert werden will, dass sein Leben und Fühlen zu klein ist für diese Musik. Einerseits. Andererseits kann man Casper niemals zum Vorwurf machen, Rap nicht weit über seine Grenzen hinausführen zu wollen. Und wie konservativ das "Game" und seine "Player" dabei auf ihn reagieren ist noch lächerliche als der noch so pathetische Slogan oder die ja doch zum Rap gehörende Selbstinszenierung als eine Figur mit konkreter Biographie und Weltsicht.
Und so macht "Hinterland" da weiter, wo "XOXO" angefangen hat, nur anders, nur größer, nur leiser und besser. Casper hat ja auch nach eigener Aussage immer versucht, diese DIY-HC-Straight-Edgenesse mit Rap zu kombinieren, die Gitarre und das Schlagzeug und den Bass mit den Lines, den Punches und den Rhymes. Und es klappt, immer wieder. Auch wenn "Im Ascheregen" nach Team Me und Konsorten klingt, wenn das alles doch etwas zu glattgebügelt ist: Es ist immer auch ein Blick über den Tellerrand, wo selbst "Rap" imitierende Stücke wie "Jambalaya" oder "Ariel" unkonventionell klingen. Von der Stimme, die du schon von weitem als eigene erkennst, ganz zu schweigen. Und dafür kann man Casper nicht hoch genug einschätzen: Dass er die Musik, die er macht, die er vor Augen hat und die ihn antreibt keinen Stillstand, keine Konventionen und selten Kompromisse kennt - und dass dabei stimmige Stücke und Alben entstehen, die man weder inhaltlich noch musikalisch mögen müssen, aber trotzdem die wachrütteln, die von Rap, gerade vom deutschen, nicht mehr erwarten als dumme Witze und Sprüche zu Beats so subtil wie die Mimik von Jason Statham. Und jetzt Radio laut und zum Hügel rauf: You know what to do.
Die wichtigsten Alben 2013 #22 - King Krule - 6 Feet Beneath the Moon
Tom Waits der alte Säufer, dem nimmt man alles ab. Und der kann auch krächzen und ätzen und rumpeln und unser Ohr malträtieren mit seiner Version von Blues, weil er eben auch so lebt wie der Blues. Aber was, wenn das so ein großohriger Rotschopf aus dem UK macht und gerade mal volljährig ist? Wenn der seine Rauchstimme rausrotzt und dazu etwas holprig aber catchy die E-Gitarre malträtiert und mehr ächzt als singt, es sei "Easy, Easy"? Wenn der in Interviews so viel redet wie er kehlig den Schnodder hoch zieht, wie man öfter lesen musste? Wenn der eine Platte namens "6 Feet Beneath the Moon" macht, die irgendwie alles bedient, was Musik so derzeit bedient, vom Post-Electro-Feeling bis hin zum leisen Kuschelrock in der XX-Version? Dann kann man getrost von der Hipster-Platte des Jahres sprechen!
Denn mal ehrlich, so viel Hipsterkonsens fand man nichtmal in einem Ingwer-Orange-Lakritz-Smoothie mit Vollbart um 2013: Es ist jung, es ist frisch, es hat eine alte Seele, es hat den Punk gefrühstückt und es hat genug Subversionsanliegen vorzutragen, um ja nicht Establishment zu sein, es riecht nach Working Class, dem Sehnsuchtsort der Großstadtvollbärte, und es hat ein Musikwissen wie die bestsortieteste iPod-Library. Okay, jetzt wo Wigger, Spex und Co. auch auf dem Zug sind, das Pop-Establishment natürlich aufspringt, muss man so Sachen sagen, wie: Als ich mir auf dessen Konzert in Leicestershire in so einer rotzigen Kneipe dessen EP auf selbstgeleimtem Vinyl gekauft habe, da fand ich den noch gut, aber soviel Distinktionsklischee will ja heute keiner mehr aufbringen - ganz abgesehen davon, dass es nur ablenkt, wie super diese Platte doch so oft ist.
llein "Easy, Easy" ist ein erstmal gewöhnungsbedürftiges Stück, aber es hakt sich mit Widerstand im Gehör fest und macht schattige Tage wie faule Sonntage gleichermaßen genießbar. "Border Line" tanzt lässig, aber keiner guckt. "Has this hit?" heult, aber jeder guckt weg. "Cementality" will auf Wikipedia unbedingt bei dem komischen Wort "crooning" abgebildet werden. "Ocean Bed" geht Nacktschwimmen im Dustern und "Neptune Estate" hat ein paar zu viele geraucht, aber das passt schon. Und das ist genau das Ding mit King Krule, dass der so abgehangen rüberkommt, das glaubt man ja keinem in dem Alter. Nicht wahr, Jake Bugg? Gut, das Songwriting kann ruhig noch etwas straighter werden, die Ideen etwas mehr bzw. an manchen Stellen nicht alle auf einmal verplempern, aber es bleibt dabei, dass "6 Feet Beneath the Moon" ein Musikereignis für 2013 war, das es so davor und danach noch nicht gab. Und womit? Na?
Denn mal ehrlich, so viel Hipsterkonsens fand man nichtmal in einem Ingwer-Orange-Lakritz-Smoothie mit Vollbart um 2013: Es ist jung, es ist frisch, es hat eine alte Seele, es hat den Punk gefrühstückt und es hat genug Subversionsanliegen vorzutragen, um ja nicht Establishment zu sein, es riecht nach Working Class, dem Sehnsuchtsort der Großstadtvollbärte, und es hat ein Musikwissen wie die bestsortieteste iPod-Library. Okay, jetzt wo Wigger, Spex und Co. auch auf dem Zug sind, das Pop-Establishment natürlich aufspringt, muss man so Sachen sagen, wie: Als ich mir auf dessen Konzert in Leicestershire in so einer rotzigen Kneipe dessen EP auf selbstgeleimtem Vinyl gekauft habe, da fand ich den noch gut, aber soviel Distinktionsklischee will ja heute keiner mehr aufbringen - ganz abgesehen davon, dass es nur ablenkt, wie super diese Platte doch so oft ist.
llein "Easy, Easy" ist ein erstmal gewöhnungsbedürftiges Stück, aber es hakt sich mit Widerstand im Gehör fest und macht schattige Tage wie faule Sonntage gleichermaßen genießbar. "Border Line" tanzt lässig, aber keiner guckt. "Has this hit?" heult, aber jeder guckt weg. "Cementality" will auf Wikipedia unbedingt bei dem komischen Wort "crooning" abgebildet werden. "Ocean Bed" geht Nacktschwimmen im Dustern und "Neptune Estate" hat ein paar zu viele geraucht, aber das passt schon. Und das ist genau das Ding mit King Krule, dass der so abgehangen rüberkommt, das glaubt man ja keinem in dem Alter. Nicht wahr, Jake Bugg? Gut, das Songwriting kann ruhig noch etwas straighter werden, die Ideen etwas mehr bzw. an manchen Stellen nicht alle auf einmal verplempern, aber es bleibt dabei, dass "6 Feet Beneath the Moon" ein Musikereignis für 2013 war, das es so davor und danach noch nicht gab. Und womit? Na?
Dienstag, 21. Januar 2014
Die wichtigsten Alben 2013 #23: Beach Fossils - Clash the Truth
"Oh Mamaaaaaaa, I wanna go surfiiiiing", das haben die Drums, Sie wissen es, damals gesungen, und alle haben es geglaubt, diese Beach Boy Sache, dieses dahingepfiffene Lebensleiden und diese Boybandhaftigkeit. Nur wenig später gab es die noch verwaschenere DIIV-Platte "Oshin", die den LSD-Gitarrensound noch höher und dichter, aber auch nebliger gebaut hat. Deren Sänger, Zachary Cole Smith, war bis zur Gründung von DIIV Mitglied der bis dato eher so semi-interessanten Beach Fossils, die den Strand ja schon im Namen tragen und so gesehen adäquater heißen als die nun auch wieder mitspielenden Beach Boys, deren fossilartige Rückkehr ja eher irritiert als begeistert. Und seitdem spielte das Personenkarzussel verrückt bei den Beach Fossils, sodass "Clash the Truth" auch eher ein Wunder ist als blindes Kalkül.
Gut, jetzt gehen natürlich die Vergleiche los: Ist "Clash the Truth" besser oder schlechter als "Oshin"? Ist Zachary Cole Smith der Billy Corgan des Surfrocks? Udn sind die Beach Fossils überhaupt irgendwie ernst zu nehmen? Aber natürlich sind sie das! "Clash the Truth" hat gegenüber "oshin", wenn man diese tollen Platten schon vergleichen muss, den Vorteil, nicht ganz so wolkig zu klingen. Das ist vor allem der Verdienst des ewig rumpeligen Schlagzeugs, das die ganze Platte wie wahnsinnig vorantreibt, als säße Animal von den Muppets da am Drücker. Und auch das Songwriting muss sich vor niemandem verstecken. Gut, die Gitarreneffekte sind sich doch sehr ähnlich und die Produktion sehr, positiv gesagt, erdig, aber genau das macht eben den Unterschied aus, den es unbedingt braucht, um aus "Clash the Truth" eines der besten traditionellen Rockplatten 2013 zu machen. Allein die letzte Minute aus "Crashed Out" ist der absolute wahnsinn, und man kann sich die Szene gar nicht anders vorstellen, als dass danach Instrumente demoliert werden. Gut, Somgs wie "Clash the Truth", "Generational Synthetic" oder "Sleep Apnea" meint man schonmal irgendwie gehört zu haben, aber dann kommen wieder Übersongs namens "Careless" oder "In Vertigo" um die Ecke und alles ist vergessen, gerade weil - haben wir schon das wahnsinnige Schlagzeug erwähnt? Nein?
"Clash the Truth" ist die Wiedergeburt dieser Band als die punkigere, bodenverhaftete Variante der Konkurrenz, die es unbedingt braucht, um nicht nur die feine Linie zwischen Band und Brand zu halten. Und eine großartige Platte zum Surfbretterzerschlagen ist es bobendrein. und wie viele gibt es schon davon?
Gut, jetzt gehen natürlich die Vergleiche los: Ist "Clash the Truth" besser oder schlechter als "Oshin"? Ist Zachary Cole Smith der Billy Corgan des Surfrocks? Udn sind die Beach Fossils überhaupt irgendwie ernst zu nehmen? Aber natürlich sind sie das! "Clash the Truth" hat gegenüber "oshin", wenn man diese tollen Platten schon vergleichen muss, den Vorteil, nicht ganz so wolkig zu klingen. Das ist vor allem der Verdienst des ewig rumpeligen Schlagzeugs, das die ganze Platte wie wahnsinnig vorantreibt, als säße Animal von den Muppets da am Drücker. Und auch das Songwriting muss sich vor niemandem verstecken. Gut, die Gitarreneffekte sind sich doch sehr ähnlich und die Produktion sehr, positiv gesagt, erdig, aber genau das macht eben den Unterschied aus, den es unbedingt braucht, um aus "Clash the Truth" eines der besten traditionellen Rockplatten 2013 zu machen. Allein die letzte Minute aus "Crashed Out" ist der absolute wahnsinn, und man kann sich die Szene gar nicht anders vorstellen, als dass danach Instrumente demoliert werden. Gut, Somgs wie "Clash the Truth", "Generational Synthetic" oder "Sleep Apnea" meint man schonmal irgendwie gehört zu haben, aber dann kommen wieder Übersongs namens "Careless" oder "In Vertigo" um die Ecke und alles ist vergessen, gerade weil - haben wir schon das wahnsinnige Schlagzeug erwähnt? Nein?
"Clash the Truth" ist die Wiedergeburt dieser Band als die punkigere, bodenverhaftete Variante der Konkurrenz, die es unbedingt braucht, um nicht nur die feine Linie zwischen Band und Brand zu halten. Und eine großartige Platte zum Surfbretterzerschlagen ist es bobendrein. und wie viele gibt es schon davon?
Die wichtigsten Alben 2013 #24: Chance, the Rapper - Acidrap
Haben wir schonmal über Hip Hop geredet, diese unsäglich redundante und populäre Musikrichtung, die in den letzten 20 Jahren fast die gesamte Popkultur für sich eingenommen und deren Anhänger komplett ausgenommen hat? Haben wir schon darüber gesprochen, wie lächerlich sich Rap und Hip Hop die letzten zehn Jahre dabei gemacht hat, mit diesem komischen Ansprich, gleichzeitig die Gassen und Penthouses, die Charttops und Probekeller, die Billigbodelle und Kunstausstellungen in eine popkulturelle Spielart zu verwandeln, den Spagat zwischen alldem zu machen und gleichzeitig allen und niemandem gefallen zu wollen? Wäre Hip Hop ein Typ (und es gibt viele solche Typen), man könnte mit diesem kein vernünftiges Wort wechseln und würde mit sicherheit irgendwann einen Besuch in der Klapse bei ihm absolvieren.
Und Klapse ist auch das richtige Stichwort für "Acidrap" von Chance, der sich den lustigen Zusatz "the Rapper" gegeben hat, als wenn man das nämlich sonst gar nicht wüsste, dass der ein Rapper ist, wenn man seine Platten hört. Und tatsächlich wird hier nicht nur gerappt, sondern auch, ähm, gesungen und auch sonst die gesamte stimmliche Geräuschkulisse ausgereizt. So hört man von Chance eher weniger Sachen wie "Yeah" oder "Aha", sondern eher eine Mischung aus kratzigen Krabbelgruppen und jauchzenden Welpen. Das klingt jetzt erstmal schrecklich, gewöhnt man sich aber schnell dran. Denn so nervig Chance's Stimme auch erstmal ist, so zurückgelehnt kommt die ganze Platte dann doch rüber.
Kein Wunder auch, wenn man die "Acidrap" nennt und alles in bunten Farben malt. Ganz so verdrogt wie zum Beispiel einige Janelle Monae Stücke ist "Acidrap" dann nicht, zumindest vom Feeling her. Da blubbert eher die Bong und wummert der Bass tief im Partyeller deiner Schule. Auch textlich geriert sich hier eher alles harmlos und von der Spaßfraktion diktiert, was eben "Acidrap" zur Sommerplatte macht und sonst nicht mehr, aber auch nicht weniger. "Juice", "Favorite Song" oder "Good Ass Intro" jedenfalls sind so Ausnahmestücke im Rap, dass es wieder Spaß macht, sich über dieses Genre zu freuen, denn Chance ist nicht nur ein anderer Typ als die sonst so anderen Typen (wie Drake, Kid Cudi, Kanye oder you name it), sondern bringt auch genug Twist in die ehr funky gehaltenen, Westcoast inspirierten Stücke rein, dass es nicht ausgelutscht klingt. So kreiert "Acidrap" einen eigenen Stil wie, sagen wir, hierzulande der "Raop" Cros als ein neues Ding gemeint und verstanden war. Und jetzt bitte keine Hatemails.
Man wird sehen, was nach "Acidrap" kommt, das strengenommen auch nur ein Mixtape war, aber schon hörbar Albumcharakter besaß. Wenn der Erfolg Chance nicht rechtgeben sollte, dann sollte es wenigstens das Internet tun und das Ding xtausendmal runterladen.
Und Klapse ist auch das richtige Stichwort für "Acidrap" von Chance, der sich den lustigen Zusatz "the Rapper" gegeben hat, als wenn man das nämlich sonst gar nicht wüsste, dass der ein Rapper ist, wenn man seine Platten hört. Und tatsächlich wird hier nicht nur gerappt, sondern auch, ähm, gesungen und auch sonst die gesamte stimmliche Geräuschkulisse ausgereizt. So hört man von Chance eher weniger Sachen wie "Yeah" oder "Aha", sondern eher eine Mischung aus kratzigen Krabbelgruppen und jauchzenden Welpen. Das klingt jetzt erstmal schrecklich, gewöhnt man sich aber schnell dran. Denn so nervig Chance's Stimme auch erstmal ist, so zurückgelehnt kommt die ganze Platte dann doch rüber.
Kein Wunder auch, wenn man die "Acidrap" nennt und alles in bunten Farben malt. Ganz so verdrogt wie zum Beispiel einige Janelle Monae Stücke ist "Acidrap" dann nicht, zumindest vom Feeling her. Da blubbert eher die Bong und wummert der Bass tief im Partyeller deiner Schule. Auch textlich geriert sich hier eher alles harmlos und von der Spaßfraktion diktiert, was eben "Acidrap" zur Sommerplatte macht und sonst nicht mehr, aber auch nicht weniger. "Juice", "Favorite Song" oder "Good Ass Intro" jedenfalls sind so Ausnahmestücke im Rap, dass es wieder Spaß macht, sich über dieses Genre zu freuen, denn Chance ist nicht nur ein anderer Typ als die sonst so anderen Typen (wie Drake, Kid Cudi, Kanye oder you name it), sondern bringt auch genug Twist in die ehr funky gehaltenen, Westcoast inspirierten Stücke rein, dass es nicht ausgelutscht klingt. So kreiert "Acidrap" einen eigenen Stil wie, sagen wir, hierzulande der "Raop" Cros als ein neues Ding gemeint und verstanden war. Und jetzt bitte keine Hatemails.
Man wird sehen, was nach "Acidrap" kommt, das strengenommen auch nur ein Mixtape war, aber schon hörbar Albumcharakter besaß. Wenn der Erfolg Chance nicht rechtgeben sollte, dann sollte es wenigstens das Internet tun und das Ding xtausendmal runterladen.
Dienstag, 14. Januar 2014
Die wichtigsten Alben 2013 #25: Justin Timberlake - The 20/20 Experience
Justin Timberlake ist Michael Jackson. Nicht im privaten Sinne, aber Musikalisch. Zumindest auf "The 20/20 Experience", von dem beide Teile exakt so klingen, wie Jackson sich das sicherlich für sich in Zukunft ausgemalt hat: Relevant, Funky, Gewitzt und lässig, top produziert und sehr selbstständig. Man kann dem Timberlake ja vieles vorwerfen: Omnipräsenz in Film, Musik und Fernsehen, etwas Langweiligkeit und ein Entertainment-Passepartout zu sein, aber am Ende muss man sich dieses grandios choreografierte Popmaxiumum namens "The 20/20 Experience" einfach nur anhören ohne Scheuklappen anzulegen und kann nicht dankbar genug dafür sein, dass hier weder Will.I.Am noch Guetta oder sonstwer aus dem Eurodance-Protektorat seine Wurstfinger im Songwritin hatte. Gut, dass der einzige große Ausfall "Mirrors" dann doch noch zu ersten Single wird - geschenkt (man muss ja kein zweites "Cry Me A River" produzieren, das eine reicht - aber das ist sicher einfach Timberlands Schuld). Aber sowas wie "Strawberry Bubblegum", "Pusha Love Girl", "Suit And Tie" oder "Take Back The Night" ist R'n'B auf Höhe der Zeit - und damit meine ich nicht die Keyboardeskapaden von Leuten wie Blood Orange oder den Überproduzierten Girlpop der tollen Beyoncé. "The 20/20 Experience" hat auch keine Angst vor düsteren Seiten, aber wird nicht weinerlich wie The Weeknd oder chauvinistisch wie Robin Thicke. Genau das mag die Langeweile Timberlakes begründen: Er ist zu nett und zu glatt. Aber wenn man das mal hinter sich hat, dann passt in diesem Doppelwerk so gut wie alles zusammen wie nix gutes. Davon wird niemand umgehauen oder sogar begeistert, was aber letztlich falsch ist. "The 20/20 Experience" hat alles, was ein Album dieses Genres braucht, und ich meine jetzt wirklich ALLES. Das ist vielleicht zu perfekt, um es wirklich likeable oder gar loveable zu machen - aber es bleibt immer noch perfekt.
Die wichtigsten Alben 2013 #26: Pearl Jam - Lightning Bolt
Als ich mich das letzte Mal mit Steffen betrunken habe, sind wir dann die ganze Nacht nur durch tolle Pearl Jam Videos gezappt. Und gerade betrunken wirkt der kumpelige Großrock dieser Band doch um einiges stärker, was nicht zwingend ein Aufruf zum Trinken, sondern eher ein Plädoyer für diese grandiose Band ist, die auch nach Ewigkeiten abzuliefern weiß, wenngleich dreimal totgeschrieben von allen und für Altherrenrock der unschön irrelevanten Sorte deklariert wurde (woran die VÖs seit "Yield" nicht ganz unschuldig waren). "Backspacer" war dann wieder ein fantastisch gute Platte, die gar nicht so aufgesetzt war, wie man ihrer Dreiminutenrock-Prägnanz unterstellen könnte. Und jetzt "Lightning Bolt", das mit den Worten "Everyone's a critic" beginnt, wobei ich erstmal mit den Augen rollen musste, aber dann spielen die Jungs wieder wie früher auf, wieder mit Verve, mit Wut, mit Spielfreude, als würde man einer alten Fußballmannschaft bei ihrer nie erwarteten Glanzleistung zusehen. "Getaway", "Mind Your Manners" und "My Fathers Son" hätten auch wunderbar auf die fantastische Werkschau "Rearviewmirror" und die "Up"-Seite gepasst. Mit "Sirens" wird es dann wieder schmusig und kumpelig und Steffen und ich haben die Feuerzeuge ausgepackt, innerlich, um im Anschluss an den Song mit ebendiesem Feuerzeug das nächste Bier zu öffnen. Herrlich. Einzug gegen Ende wird es doch sehr Folklastig, was heutztage ja wieder als Americana bezeichnet wird und einfach meint, es klingt nach Lagerfeuer und Springsteen, was nicht schlecht ist, aber doch dem Album etwas den Schwung nimmt, den "Backspacer" zum Beispiel durchweg hatte. Aber das ist nicht schlimm, denn umso schöner ist es, diese Band wieder in Form zu haben, deren Musik ja irgendwie trendlos gut ist, egal was sie macht, und sympathisch ist das ohnehin ohne Ende. "Lightning Bolt" wird sicher kein Klassiker mehr werden, die Zeiten sind vorbei, die Aufmerksamkeit liegt auf anderen Dingen, dennoch kann 2013 froh sein, diese Platte sein Eigen zu nennen. Und jetzt kommt auch der Bierdurst wieder.
Abonnieren
Posts (Atom)