Freitag, 29. November 2013

Die wichtigsten Alben 2013 #45: Julia Holter - Loud City Song

Julia Holter gehört sicher zu den Musikerinnen mit Klischeegefahr: Das mädchenhaft Verspielte und intellektuell befrachtet Geheimnisvolle von Musik und Haltung, Person und Auftreten, Albentitel mit Anspielungen an die griechischen Tragödien und eklektisch verjazzte Soundentwürfe im new wavigen Gewand tun da ihr Übriges. Einige Kritiker haben sich daher schon fast gefreut, als es dieses Mal nicht um Orpheus, Elektra oder Ekstase ging, sondern ganz schlicht um Los Angeles und den ganzen Krach, den man in so einer Stadt ertragen muss und der einen dann doch so komisch inspiriert.
Allerdings war es das dann auch schon an Veränderungen im Holterverse, denn immernoch ergehen sich ihre Songs eher als Kompositionen denn als Knallbonbons, was ja immer erst etwas unterkühlt und prätentiös wirkt, aber doch mehr Groove wagt, als zu erwarten gewesen wäre. Deshalb ist eine Holter-Platte zu besprechen auch musikjournalistisch so langweilig, denn natürlich ist das bis in die letzte Faser tolle Musik und natürlich ist die Holter herzerliebst in allem, was sie da so macht, und niemand kann sagen, das sei nicht ansprechend, es sei denn, man kann mit sowas eh nix anfangen, als Konzept, als Prinzip. "Horns surrounding me" ist beispielsweise so ein Hirnbiest von Song, nicht so fies wie "Marienbad" auf "Ekstasis", aber doch durchdacht und tricky, und wenn der sich zu einem Ohrwurmbastard steigert, wie so vieles auf "Loud City Song", dann weiß man doch, da wurde irgendwas richtig gemacht, und wenn auch gegen meinen Willen.
Ich wünsche mir manchmal halt, dass Holter demnächst was mit Katy Perry oder Pharell Williams oder so machen würde, damit sie nicht in Esoterik versinkt und es eben auch mal knallen lässt. Wie ihr Studiokollege John Maus, der ja auch so sein Ding fährt, der aber Konzerte wie tollwütige Karaokeperformances anstellen kann. Denn so ein ausuferndes, explodierendes Moment fehlt ihren Alben, und ganz besonders diesem hier, in dem es doch so oft anschwelend brodelt, um wirklich richtig zu begeistern. Aber wer weiß, es ist schon komischeres passiert in der Musikwelt...

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